Kommunikation: Reden ist Gold

TextAlexandra Brechlin

René Borbonus ist Experte und Trainer für Kommunikation und einer der besten Rhetoriker des Landes.

In seinen Seminaren gibt er Tipps und vermittelt Techniken für souveränes Auftreten und sicheres Sprechen vor Publikum. Wir haben ihn zum Interview getroffen. Seit 15 Jahren begleitet René Borbonus Führungskräfte, Unternehmer und Personen des öffentlichen Lebens auf dem Weg zu einem gelungenen persönlichen Auftritt. Der studierte Geisteswissenschaftler entdeckte früh sein Talent für Kommunikation. Seine Karriere begann er als Redenschreiber. Heute arbeitet er erfolgreich als Trainer, Autor und Redner.

„Nervosität ist nichts Schlechtes“

Smyle: Warum sind manche Menschen selbstbewusst und strahlen das auch aus?

René Borbonus: Ich beschäftige mich bei meiner Arbeit vor allem mit der Frage der Wirkung und bin davon überzeugt, dass man lernen und trainieren kann, wie man selbstbewusst auftritt. Es gibt ein paar typische Merkmale selbstbewusster Menschen, die man sich abschauen kann. Der feste Stand zum Beispiel. Sie sind geerdet, stehen aufrecht, haben Körperspannung, wirken präsent. Die Atmung ist nicht flach, sondern tief, die Stimme flattert nicht. Das sind Dinge, die man sehr gut lernen kann und die reine Übungssache sind. Wenn man diese Punkte in Kommunikations- und Redesituationen beachtet und sich zudem gut und gründlich vorbereitet, ist das die halbe Miete. Natürlich wird ein komplett unsicherer Mensch kein anderer, aber es gibt bestimmte Techniken, die man sich aneignen kann und die ein selbstbewussteres Auftreten ermöglichen. Und diese positive Erfahrung und das positive Feedback stärken wiederum das eigene Selbstbewusstsein. Das ist eine spannende Wechselwirkung, die ich auch häufig in meinen Seminaren beobachte.

Wie wichtig ist das Aussehen für ein selbstbewusstes Auftreten? Haben es attraktive Menschen leichter?

Das glaube ich nicht. Was Menschen brauchen, um ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln, sind Anerkennung und Wertschätzung. Ob das allein über gutes Aussehen funktioniert und ob das wirklich belastbar ist, weiß ich nicht. Ich kenne sehr viele Menschen, denen man vielleicht auf den ersten Blick kein überdurchschnittlich gutes Aussehen attestieren würde, aber die sehr selbstbewusst auftreten und agieren. Von daher glaube ich nicht, dass gutes Aussehen ein Vorteil ist. Wichtig ist, dass ein Mensch bei sich ist und seinen persönlichen Wert kennt. Das macht ein selbstbewusstes Auftreten aus.

Worauf achten Sie, wenn Sie jemanden kennenlernen? Was fällt Ihnen als Erstes auf?

Ich glaube, bei einem ersten Treffen läuft vieles eher unbewusst ab. Ein freundliches Gesicht, die Sprache – aber die kommt meist erst später. Ich schätze es, wenn Leute sich selber nicht so sehr in den Mittelpunkt stellen, sondern ehrliches Interesse am Gegenüber zeigen. Das finde ich sympathisch und das macht auch attraktiv.

 

„Nervosität ist nichts Schlechtes“

Viele Menschen sind nervös, wenn sie vor anderen sprechen sollen. Welche Tipps haben Sie für sicheres, freies Reden?
Ich glaube, wichtig ist zunächst ein Paradigmenwechsel: Nervosität ist nichts Schlechtes, sondern Teil des Spiels. Sie gehört dazu und macht uns präsent. Und einen präsenten Redner schätzen die Zuhörer. Selbst Weltklassefußballspieler sind vor einem wichtigen Spiel nervös, da muss man sich nicht exotisch vorkommen. Nervosität sieht man im Übrigen auch kaum. Nur Bruchteile dessen, was in unserem Inneren vorgeht, schimmern nach draußen. Deshalb ist das kein Grund, zusätzlich noch nervöser zu werden. Das Publikum sieht das nicht. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, keine Angst vor Fehlern zu haben. Ein guter Redner hat Freude an der Rede und keine Angst vor Fehlern. Fehler passieren, aber man darf sich von ihnen nicht gleich aus dem Konzept bringen lassen. Gute Redner gehen über Fehler souverän hinweg und sprechen einfach weiter. Vieles „versendet sich“, wie Radiomoderatoren es ausdrücken. Wer einen zu hohen Perfektionsanspruch hat, steht sich da eher im Weg. Ich verhasple mich auch mal oder formuliere etwas grammatikalisch falsch. Wichtig ist, souverän zu bleiben. Natürlich gibt es praktische Dinge, die man auch üben kann, etwa dass die Stimme stabil bleibt und nicht anfängt zu flattern oder wegbricht. Die Stimme kann man aufwärmen, bevor man spricht, dafür gibt es bestimmte Techniken. Ebenfalls wichtig ist eine gute Struktur für eine Rede, ein Storyboard, das man im Kopf hat. Ein guter Einstieg ist das A und O, damit man die Zuhörer am Anfang gleich abholt. Das sind genau die Dinge, die ich in meinen Seminaren auch erkläre und vermitteln möchte. Wenn man sich gut auf eine Redesituation vorbereitet, kann nicht viel schiefgehen.

Wie haben Sie selbst Ihre Freude an der Kommunikation entdeckt?

Es gab zwei Schlüsselmomente. Da ist zum einen die Freude an der Sprache, die hatte ich bereits sehr früh, schon zu Schulzeiten. Und dann habe ich relativ schnell gemerkt, dass ich andere durch schönes Sprechen für mich begeistern kann. Obwohl ich ein sehr introvertierter Mensch bin und das auch immer war. Das ist eine sehr schöne Erfahrung und im Übrigen sogar recht häufig so, dass „Intros“ gute Redner sind. Man muss ihnen nur die Bühne dafür geben und sie ein wenig unterstützen. Und da hatte ich das Glück, auch ein, zwei Mentoren gehabt zu haben, die mich ermuntert und gesagt haben: „Du wirkst so toll vor der Gruppe. Überleg dir doch, ob du nicht Moderator werden möchtest oder Trainer.“ Sie haben mich eingeladen, als Redner bei Hochzeiten oder anderen festlichen Veranstaltungen aufzutreten. Das hat mir schnell ein gutes Gefühl und auch ein sehr positives Feedback für meinen weiteren Weg gegeben.
Zum anderen hatte ich, wie viele andere Menschen auch, in der Vergangenheit immer wieder große Probleme mit der Kommunikation. Vor allem als ich noch jünger war und es um Beziehungen ging, habe ich mich oft schwergetan und konnte selbst bei Menschen, die mir sehr wichtig waren und die ich geliebt habe, nicht ausreichend kommunizieren. Vieles ist dadurch schiefgelaufen. Das war für mich ein Anreiz, mehr und mehr über Kommunikation zu lernen, um zu verstehen, wie sie funktioniert, um vermitteln zu können, worum es mir geht, und so Verletzungen oder Respektlosigkeiten zu vermeiden.

Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit als Kommunikationstrainer besonderen Spaß?

Die Persönlichkeitsentwicklung fasziniert mich grundsätzlich. Es ist spannend, zu beobachten, wie Menschen wachsen und sich entfalten. Wenn ich das begleiten und anstoßen darf, ist das ein toller Moment und das gibt mir sehr viel Kraft und Sinn und Freude.

Fotos © pixelfit/istockphoto.com, René Borbonus/Communico