Zähneputzen:
Gar nicht so einfach wie Sie denken

TextClaudia Duschek

Zähneputzen, das tun wir alle. Und Joggen, das tun – eigentlich – auch alle. Aber nicht alle haben denselben Erfolg. Die einen sind top in Form, andere nicht. Dasselbe gilt für die dentale Fitness.

Die einen haben Zahnfleischprobleme oder Karies, andere nicht. Entscheidend sind unsere Gewohnheiten. Es gibt kein schlechtes Wetter für Jogger. Auch die Genetik ist nicht der entscheidende Faktor für die Mundgesundheit, sondern die Pflege, die Gewohnheit.

Viele Techniken: Schrubben oder kreisen? Was ist richtig?

Zur Zahnpflege sind gegenwärtig verschiedene Zahnputztechniken bekannt. Wird „rot-weiß“ geputzt, also in kurzen Schrubb-Bewegungen vom Zahnfleisch (rot) weg zum Zahn (weiß) hin, so wird der Zahnbelag effizient vom Zahn heruntergebürstet. Wird die Zahnputztechnik nach Bass angewendet, so putzt man in kurzen Rüttelbewegungen. Und die KAI-Methode schließlich gibt den Ablauf vor: K-aufläche, A-ußenflächen, I-nnenflächen. Allen Methoden gemeinsam ist der Ansatz der Bürste im 45-Grad-Winkel. Diese Schräghaltung ist besonders für die sorgfältige Pflege des Zahnfleischsaums (Sulcus) entscheidend. Denn hier, zwischen Zahn und Zahnfleisch, setzt sich schnell weicher Zahnbelag (Plaque) fest. Den Zahnfleischsaum erreichen die Borsten am wirkungsvollsten in leichten Kreis-Bewegungen.

So oder so: Einfach nur kräftig schrubben ist auf jeden Fall falsch, verletzt das Zahnfleisch und kann den Zahnhals freilegen. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, bei der Zahnreinigung kaum Druck anzuwenden, systematisch immer nach dem gleichen Muster zu verfahren und die Bürste schräg zu halten. Steil angesetzt erreicht die Zahnbürste auch die hintersten Backenzähne sowie die Innenseiten der Frontzähne ganz leicht.

Die ultimative Anleitung zum Zähneputzen

Schräg ansetzen ist schon die halbe Miete
Das Ansetzen des Bürstenkopfes ist wirklich wichtig. Am besten starten Sie mit der unteren Zahnreihe, außen. Setzen Sie die Zahnbürste am hintersten Backenzahn halb aufs Zahnfleisch, halb auf den Zahn. Halten Sie dabei den Bürstenkopf leicht schräg zum Zahnfleisch, ungefähr im 45-Grad-Winkel. Beim Zähneputzen ist das der Trick: halb aufs Zahnfleisch, halb auf den Zahn, und in kleinen, feinen Kreisen putzen, möglichst ohne Druck. Das ist eigentlich alles.

Unten außen, unten innen herum
Danach bewegen Sie die Bürste in sehr gemütlichem Tempo vom hinteren Backenzahn über die beiden Frontzähne bis zum hinteren Backenzahn auf der anderen Kieferseite. Bei jedem Zahn verweilen Sie ein wenig. Ganz geduldig führen Sie fünf, lieber zehn kleine Kreisbewegungen durch. Beim letzten Backenzahn angekommen, umrunden Sie diesen mit kleinen Bewegungen (die Zahnbürste dabei so steil wie möglich zu halten) und machen auf der Innenseite weiter.

Auch hier die Bürste in kleinen, fast druckfreien Kreisbewegungen vorwärts führen, bis Sie wieder zu dem Backenzahn gelangen, bei dem Sie gestartet sind.

Weiter an den unteren Frontzähnen innen

Unten innen halten Sie die Bürste steil, sodass sie einen Teil der Innenseite der Frontzähne und einen Teil des Zahnfleisches abdeckt. Steil angesetzt, kreisen Sie jetzt mit der Bürste in kleinen, sanften Bewegungen, und zwar zunächst auf der Innenseite des einen Frontzahns, dann auf der des anderen. Hier besonders gut putzen: Gleich unter den Frontzähnen gibt es eine Speicheldrüse. Hier fließt viel Speichel, und das führt dazu, dass sich hier der meiste Zahnstein bildet.

Oben außen herum

Wie bei der unteren Zahnreihe ist es auch hier wichtig, dass Sie den Bürstenkopf leicht schräg zum Zahnfleisch halten. Sie führen die Bürste in kleinen Kreisen vom hinteren Backenzahn über die beiden Frontzähne bis zum hinteren Backenzahn auf der anderen Kieferseite. Den Backenzahn umrunden Sie wieder mit kleinen Bewegungen und dann fahren Sie auf der Innenseite weiter. In kleinen, fast druckfreien Kreisbewegungen gelangen Sie wieder zu dem Backenzahn, bei dem Sie gestartet sind. Wie gehabt: Die Bürste steil halten – ja, genau so, vielleicht eher noch steiler – und langsam in kleinen sanften Kreisbewegungen umrunden. Und jetzt innen weiter.

Die oberen Frontzähne innen

Hier wenn sich hier keine Speicheldrüse befindet, die Zahnbürste steil halten, sodass sie einen Teil der Innenseite der Frontzähne und einen Teil des Zahnfleisches abdeckt. Jetzt mit der Bürste in kleinen sanften Bewegungen kreisen, und zwar zunächst auf der Innenseite des einen Frontzahns, dann auf der des anderen. Super, geht doch!

Die Kauflächen

Setzen Sie ganz hinten auf dem Backenzahn an und arbeiten Sie sich in leichten, kurzen Hin- und Herbewegungen in Richtung Frontzähne. Bei Kindern sollte man darauf achten, , dass sie die Kauflächen wirklich gut reinigen. Bei Kindern haben diese Flächen noch viele Grübchen und Rillen: wunderbare Schlupfwinkel für Bakterien. Je älter man wird, desto mehr schwindet die Notwendigkeit, die Kauflächen zu reinigen.

Dreimal täglich? Nach jedem Essen? Ist das wirklich sinnvoll?

Viele sagen: Man muss dreimal täglich putzen. Wissenschaftliche Studien geben aber Entwarnung: Es reicht, wenn Zahnbeläge alle 24 Stunden entfernt werden. Am besten vor dem Zubettgehen. Voraussetzung ist aber, dass die Reinigung dann Zahn um Zahn akribisch genau erfolgt. Im Wissen darum, dass solche Sorgfalt den meisten Menschen nicht gegeben ist, empfehlen Dental-Profis deshalb, die Zähne zweimal täglich zu putzen. Der Zeitpunkt dafür ist individuell. Wie formulierte es doch ein Präventiv-Zahnmediziner am eigenen Beispiel? Tagsüber drehe er mit der Zahnbürste ein paar Ehrenrunden – hauptsächlich, um Speisereste zu entfernen. Abends aber nehme er sich seine Zeit zur pedantisch sorgfältigen Mundhygiene.

Warum abends?

In der Nacht, wenn wir schlafen, fließt wenig Speichel, und auch die Lippen bewegen sich kaum. Tagsüber helfen Speichel und Lippenbewegungen, Speisereste und Plaque zu entfernen. So können sich Bakterien und Plaque in der Nacht gut und ungestört festsetzen. Deshalb empfiehlt es sich, vor dem Zubettgehen die Zähne und Zahnzwischenräume besonders gut zu reinigen.

Säuren greifen den Zahnschmelz an

Unabhängig davon, ob man nun zweimal oder einmal täglich putzt: Zu einer Vorsichtsmaßnahme raten Fachleute: Warten! Unmittelbar nach dem Konsum säurehaltiger Lebensmittel und Getränke nämlich sollten die Zähne nicht geputzt werden. Säuren können die Schmelzoberfläche der Zähne anätzen. Die angegriffene Schmelzoberfläche wird dann durch Stoffe der Zahnpasta abgetragen. Wartet man mit Putzen dagegen etwas zu, so vermeidet man dies.

Eine Wartezeit von mindestens einer halben Stunde ist empfehlenswert. Zu den säurehaltigen Getränken gehören übrigens nicht nur Fruchtsäfte, sondern praktisch alle Soft- und Energydrinks, auch zuckerlose natürlich.



Morgens

Sorgfältig mit der Zahnbürste putzen. Vor oder nach dem Frühstück: Hauptsache, die Bakterien, die sich über Nacht formiert haben, werden gut gestört.

Mittags

Eine halbe bis eine ganze Stunde nach dem Essen warten. Dann eine Ehrenrunde mit der Zahnbürste drehen, vor allem an deinen kritischen Stellen.

Abends

Zahnbürsten, Zahnseide und Interdentalbürste: Ja, abends gibt’s das volle Programm. Sehr sorgfältig putzen, Zahn für Zahn, Interdentalraum für Interdentalraum. Nicht auf die Uhr schauen, sondern auf die Zähne.

Fazit: Lieber zweimal richtig putzen als dreimal so là là. Dennoch ist es gut, am Mittag kurz zu putzen, um das Gröbste zu entfernen.

Fotos © Curaden; LorenzRichard